Archive for Dezember 2008

Der Abschied rückt näher

So, spätestens am 31. 03. ist’s nun endlich so weit, ich habe heute meine Wohnung gekündigt. Wo es mich hinverschlägt, weiß ich noch nicht… Sonnenberg? Ich hab ein Auto… Zurück nach Mittweida? Ich hab zu lange Haare… Kassberg? Langweilig… Am Ende ziehe ich noch ins Wohnheim und werde Alkoholiker…

Add comment 18. Dezember 2008

Na und?

Vor ungefähr anderthalb Jahren war ich zum Praktikum in Dresden und während dieser 6 Wochen schlief ich bei einer Freundin. Ich als Architekturfan war natürlich vom Neumarkt fasziniert und ich fragte sie, was sie denn davon halte. Ganz okay, meinte sie und verstand nicht ganz, was ich denn wollte. Ob sie es nicht komisch finde, hinter den Barockkulissen Betonbauten zu wissen, fragte ich sie weiter. Ihr „Na und?“ erstaunte und erzürnte mich, zeugte es für mich doch von Ignoranz und Desinteresse. Ich hatte aber auch keine richtige Antwort parat („Disneyland“, „Form-Inhalt-Entsprechung“) und brach das Gespräch enttäuscht ab. Heute hab ich gelernt, dass es die intelligenteste Bemerkung zur aktuellen Architekturdiskussion war, die ich bisher gehört habe:

Thomas Filip gibt auf tour-dresden.de die unfreiwillige Erklärung. Er hat aktuelle Bilder vom Dresdner Neumarkt digital altern lassen, um sich der Illusion des alten Dresdens hingeben zu können, das er aus Bildbänden kennt (er gehört wohl auch zu den vielen Architekturkritikern, die sich nicht so recht mit den Erkern und Türmchen made in 21st century anfreunden können). Und das macht er ganz gut: Die bearbeiteten Bilder sehen tatsächlich „alt“ aus und ja, sie sind eine Illusion. Nun, heißt das dann nicht, dass die Welt, die wir in Büchern á la „… wie es einmal war“ eine Illusion sind? Ein Mythos? Eine altertümliche Scheinwelt, aufbereitet auf Hochglanzpapier? Dass wir getäuscht werden von einen Zerr- und Idealbild, in dem Elend, furchtbarste Wohnbedingungen, dreckige und immerdunkle Hinterhöfe nicht existieren? Es kommt doch nicht von ungefähr, dass nach der Zerstörung der deutschen Städte niemandem in den Sinn kam, sie originalgetreu wieder aufzubauen. Dabei waren die Wettbewerbe durchaus offen und fernab von ökonomischen Zwängen, aber es wollte schlichtweg keiner (selbst das vielgerühmte Freudenstadt ist keine Kopie, sondern „kritisch“ restauriert). Wenn sich Herr Filip wünscht, einmal in das barocke Dresden zu reisen und sich manch Leser dieser obskuren Bildbände sich sagt, wie schöööön das doch früher alles war, dann kann er das nur, weil er sich nach diesem Gedanken wieder an seiner wie von Zauberhand erwärmten Wohnung und all den anderen Annehmlichkeiten des modernen Alltags erfreuen kann. Natürlich sind die Neumarktbauten, das Berliner Stadtschloss usw. Kopien von Fassaden, hinter denen Beton steckt. Na und? Was ist etwa am Brandenburger Tor noch original? Wer weiß schon, welche Chemikalien da im Sandstein stecken? Ist das nicht auch nur eine Illusion von Authentizität? Okay, weder Reichstag noch Brandenburger Tor müssen mit dem Makel leben, schon einmal „weg“ gewesen zu sein, aber ist die Denkmalschutz-Ideologie tatsächlich ein objektiv nachvollziehbarer Grund, die Gebäude nicht wieder entstehen zu lassen? Legen wir uns damit nicht eine geistige Zwangsjacke an? Niemand fordert ja, alles wieder historisch zu bauen (mein Lieblingsbeispiel Prag zeigt, dass das auch ziemlich langweilig ist), aber historische Formen sollen legitim sein: Eben weil mit Ausnahme von Besserwisser-Architekturkritikern kein Mensch nach ein paar Jahren überhaupt noch sagen kann, was „echt“ und was „Kopie“ ist, sondern sich einfach darin wohlfühlen, anstatt über Sinn und Zweck der Architektur nachzudenken. Natürlich ist das dann keine „Geschichte“ mehr, sondern gegenwärtigste Gegenwart (und dies soll man dann bitte auch so sagen!), aber geht es nicht eigentlich nur darum, lebens- und liebenswerte Räume zu schaffen (auch Altes kann inspirieren!) Und sind nicht innen moderne und außen historisierende Gebäude die Aufhebung derjenigen Widersprüche, die den Träumer von der guten, alten Zeit in seiner schönen, funktionalen Wohnung umgeben?

Ihr meint, das hier wäre eine kleinbürgerliche Argumentation? Na und?

Add comment 9. Dezember 2008

Warum Chemnitz toll ist

Als „meine“ Erasmusstudenten gerade zwei Wochen hier waren, hab ich sie der Reihe nach gefragt, was sie denn an Chemnitz schätzen. Nunja, mal angesehen davon, dass sie den Kassberg ganz hübsch fanden, gab es da viel betretenes Schweigen. Zugegeben, die Stadt erschließt sich nicht auf den ersten Blick, deshalb will ich hier mal ein paar Gründe suchen, was an ihr lebens- und liebenswert ist. Ich fang mal an:

  • im Turmbrauhaus gibt’s das beste Bier der Welt
  • vier Studentenclubs laden eigentlich jeden Tag zum Ausgehen ein. Und das Subway to Peter und das Flowerpower gibt’s ja auch noch
  • Kontraste, Kontraste und nochmals Kontraste: ob in der Architektur oder bei den Menschen: Chemnitz ist spannend. Und streitbar.
  • Franck Ribery trägt pinke Schuhe? Wir haben einen ganzen babyhimmelblauen Verein!

Bitte ergänzen!

2 comments 4. Dezember 2008


Über diesen Blog

Chemnitz ist eine spannende Stadt. Eine Liebe auf den zweiten Blick. Streitbar, faszinierend und abstoßend zugleich, voller Schönheit und Hässlichkeit, manchmal etwas langweilig, aber immer liebenswert. Diesem Lebensgefühl will dieser Blog Ausdruck verleihen, völlig ideologiefrei, nur die Idiotie der menschlichen Existenz mit einer Prise Selbstironie offen legend.

Für den ganzen Mist hier verantwortlich und für Beschimpfungen und Anregungen stets aufgeschlossen:

Toni Jost
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