Warum Chemnitz scheiße ist

23. März 2009

Neue Rubrik. Fertig? Los!

Es passiert ja nun nicht allzu oft, dass sich ne tolle und/oder bekannte Band nach Chemnitz verirrt. Die Toten Hosen waren mal da, Samstag erst die Jungs von Tomte. Ich kann nicht sagen, ob das, was gleich kommt, auch für diese Bands gilt. denn die Egos der Frontmänner sind mir doch zu groß, als dass ich mir das live antun muss. Aber: Freitag haben Earthbend, die großartigtollsten Newcomer des letzten Jahres im Atomino gespielt und ich war dabei. Toller Laden, mit einer glasklaren Akustik, kein Ton durch Schnickschnack an den Wänden gedämpft, Hörgenuss in Stahlbeton. Wenn die Typen vom Stadtbauamt das Haus irgendwann mal wegreißen (das Nachbargebäude fällt gerade), kette ich mich fest. Versprochen. Jedenfalls: Fantastische Band in einem dafür wie geschaffenen Raum, dazu ein fairer Preis (11 Euro). Und ratet mal, wie viele Leute da waren! Ich hab genau 27 gezählt. Was soll der Scheiß? Ich hab mich geschämt. Das hat diese Band einfach nicht verdient.

Zumal man das selbe Trauerspiel ja auch wöchentlich im Bunker miterleben kann, wo man gerne mal mit den Worten: „Juhu, ein zahlender Gast!“ begrüßt wird. Ich hab da zwei Theorien. Das Klientel existiert ja eigentlich. Schaut man ins Flowerpower oder den FX, so sind die Läden voller Leute (und nicht mal nur kleine Emokids), die diese Musik prinzipiell mögen. Und im Subway to Peter sind selbst bei der kleinsten Klitsche aus dem letzten vorpommerschen Dorf fast so viele Leute wie bei Earthbend. Der Unterschied: Dort kostet es nichts! Wozu also 11 (bzw. 5-8 Euro im Bunker) berappen für eine Band, von der man – wenn überhaupt – nur den Namen kennt und vielleicht noch weiß, dass ihr letztes Album gut bewertet wurde? Für nen Schuss ins Blaue gehe auch ich lieber in die Peterstraße! Das Subway macht die Chemnitzer Konzertkultur kaputt!

Naja, „Kultur“… Wo sind denn eigentlich jene, die in anderen Städten vornehmlich auf Konzerte gehen? Unsere Studenten? Hocken in ihrem scheiß Campus, in ihrem scheiß Windkanal, ihrem scheiß CDK und ihrem scheiß FPM (ich sag nix gegen das PEB, dort darf man wenigstens rauchen). Ich kenne Leute, die tatsächlich ausgehtechnisch noch nie aus ihrem Wohnheim rausgekommen sind und unwissend und desinteressiert mit den Achseln zucken, wenn man von seinem Wochenende erzählt. Geht raus! Chemnitz hat wirklich viel zu bieten, man muss nur etwas seinen Blick schärfen. Zum Beispiel gibt es hier auf dem Sonnenberg (mindestens) 5 Kneipen und 2 Restaurants, das reicht für ne Tour allemal zu. Zumal die Preise sehr verträglich, z.T. sogar billiger als in den Studentenclubs sind. Dazu bekommt man nicht nur ne richtige Kneipenatmosphäre fernab der Massenabfertigung im Zentrum, sondern auch tolle Menschen gratis dazu. Und wem der Sonnenberg zu „assi“ ist (ist er nicht! Scheiß elitäres Gehabe!), der gehe halt auf den Kassberg. Der ist zwar versnobt, aber versnobte Leute stört das ja wohl nicht. Beide Stadtteile sind bequem mit dem Bus zu erreichen, im Stadtstreicher steht, wo was los ist und auf myspace kann man bekanntlich vorher Probe hören.

Also: Ausgehbefehl!

Noch ein Wort zu Earthbend: Ihr habt trotz des mageren Zuspruchs einen klasse Auftritt hingelegt und besitzt riesiges Potential (bitte weniger á la „Dragon Lady“). Bitte kommt wieder und gebt uns noch eine Chance!

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Chemnitz ist eine spannende Stadt. Eine Liebe auf den zweiten Blick. Streitbar, faszinierend und abstoßend zugleich, voller Schönheit und Hässlichkeit, manchmal etwas langweilig, aber immer liebenswert. Diesem Lebensgefühl will dieser Blog Ausdruck verleihen, völlig ideologiefrei, nur die Idiotie der menschlichen Existenz mit einer Prise Selbstironie offen legend.

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