Wo sind die Prostituierten?

2. September 2009

Nein, nein, ich suche keinen schnellen Sex. Nicht solchen. Aber:

Bevor ich hier her gezogen bin, habe ich so allerlei Schauergeschichten vom Sonnenberg gehört. In jedem dritten Haus ein Bordell, Drogenhandel allerorten , „Krawall und Remmidemmi“ (Jessika M.). Nun, nach knapp einem halben Jahr im „Hardore-Sonnenberg“ Gießerstraße, dem angekündigten Zentrum allen Übels muss ich sagen: So ein Quatsch! Hier passiert gar nichts! Mein Auto hat noch nie so friedlich geparkt, ne Polizeisirene hab ich noch nie vernommen und das Lauteste, was nachts jemals zu hören war, war ein – durchaus spektakulärer – Frettchenkampf auf der Kreuzung. Ansonsten sagen sich hier Fuchs und Hase genauso gute Nacht wie überall sonst in Chemnitz. Die menschlichen Abgründe, auf die ich mich so gefreut habe (ich empfinde das durchaus bereichernd für das eigene Weltbild), finden höchstens in Statistiken statt. Im Straßenbild selbst sieht man Armut, ja, aber nur wenige Skurrilitäten. Nichts, was es nicht überall anders auch gibt. Mir war natürlich bewusst, dass dies hier nichts die Dresdner Neustadt oder Leipzig-Connewitz ist, dafür exisitiert einfach kein studentischer kreativer Nährboden, der an die Öffentlichkeit drängt. So etwas erwarte ich ja nicht einmal, aber muss es denn gleich so apathisch sein? Tragt Euer Leben nach draußen! Zeigt, dass dies keine Schlafstadt ist! Es gibt hier mindestens eine Person, die das alles interessiert und genau deswegen hier wohnt!

Ein klein wenig bin ich enttäuscht.

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Chemnitz ist eine spannende Stadt. Eine Liebe auf den zweiten Blick. Streitbar, faszinierend und abstoßend zugleich, voller Schönheit und Hässlichkeit, manchmal etwas langweilig, aber immer liebenswert. Diesem Lebensgefühl will dieser Blog Ausdruck verleihen, völlig ideologiefrei, nur die Idiotie der menschlichen Existenz mit einer Prise Selbstironie offen legend.

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