Verfasst von: Toni | 4. Oktober 2010

Albert Speers Innenstadtplan

Ich habe doch tatsächlich noch gar nichts zu Albert Speers städtebaulichem Entwicklungskonzept für den neuen Campus in der Innenstadt geschrieben. Kurios. Warum nicht? Wahrscheinlich weil mir mein Unterbewusstsein gesagt hat, dass es sinnlos ist, sich mit einem Projekt zu beschäftigen, das auf zwei Jahrzehnte angelegt ist und von dem nach zwei, drei Wahlen nicht viel übrig bleiben wird. Aber okay.

Zum Mitlesen und Selbermeinungbilden: Hier steht die Studie.

Grundgedanke Speers ist, bis 2030 weite Teile der Universität von der Reichenhainer an den Originalstandort an der Straße der Nationen zu legen, vor allem die Geistes- und Wirtschaftswissenschaften. Rund um den Schillerplatz als Erholungs- und Kommunikationszentrum entsteht vor dem geistigen Auge ein ganz neues Stadtviertel mit einer neuen Bibliothek (Alte Aktienspinnerei), neuen Fakultäten (Alte Post), neuer Mensa und dem Wohn- und Szenequartier am Brühl. Man erhofft sich dadurch 5000 Studenten in der Innenstadt, die sie bewohnen, beleben und in ihr ein Gefühl von Urbanität erwecken sollen.

Der Plan strotzt nur so vor klugen Ideen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll…

  • Anerkennung der Geistenswissenschaftler als die eigentlich progressiven Studenten der Uni: Wir rocken die Stadt!
  • Reduzierung der Universitätsstandorte: Aufgabe der abgelegenen Wilhelm-Raabe-Straße, weniger Pendelei.
  • Abriss des Busbahnhofes: von der CVAG aufgegeben ist er heute beinahe schon, jetzt kommt er auch endlich weg, um diese städtebaulich sensible Stelle aufzuwerten. Schade um die fantastische Dachkonstruktion, aber grundsätzlich ein Gewinn. Die Front der Aktiespinnerei wird endlich sichtbar gemacht und ein neuer Kommunikationsraum entsteht.
  • Aktienspinnerei und König-Albert-Museum als Schlusssteine eines neuen Kulturviertels mit Schillerplatz und neu zu gestaltetendem Busbahnhof: Klingt gut!
  • Entschachtelung des Uni-Hauptgebäudes: Heute ein Irrgarten von Sackgassen und Durchgängen werden kleinere Teile abgerissen und das gesamte Areal wird begehbar gemacht.
  • Wiederherstellung der Aktienspinnerei in ihrer ursprünglichen Form (4. OG.) mit modernen Mitteln.
  • Abriss der Platten an der Mühlenstraße und Wiederbebauung in der Blockrandstruktur, damit Fortführung des Brühls ins Zentrum, der ein eigenes Szenekarree erhalten soll.

Nennt mir bitte ein Element, dass sinnlos ist oder nicht funktionieren wird. Ich habe keines gefunden. Diesem Plan könnte es tatsächlich gelingen, eine lebendige Innenstadt zu schaffen, die eben nicht ausstirbt, wenn die Vorlesungen vorbei sind, sondern durch Anbindung an den Brühl und den Schillerplatz auch in den Abendstunden belebt sein und ein Aushängezeichen für unsere Stadt werden könnte. Darüber hinaus eröffnen sich hervorragende Perspektiven für den Sonnenberg. 5 Fahrradminuten zur Uni, sexy Altbebauung und eine hippe Kulturszene (wird schon!) sind schlagkräftige Argumente, sich endlich von den Wohnheimen am Campus zu verabschieden.

Fazit: Dieses Projekt ist klasse und eine einmalige Chance für die Stadt, kann seine Wirkung aber erst entfalten, wenn tatsächlich alle seine Elemente verwirklicht werden. Bleibt es bei der 1. Baustufe, der Universitätsbibliothek, ist gar nichts gewonnen, sondern nur für sinnloses Verkehrsaufkommen und unnütze Wege für die Studenten gesorgt. Nur wegen einer Bibliothek wird niemand in die Innenstadt ziehen, sondern da braucht es auch den Umzug der Fakultäten und die Verlagerung des Unterrichtsschwerpunkts in die Straße der Nationen. Um die gewünschte Campusatmosphäre zu erreichen muss das Pendeln aufhören und der Raum nicht nur Universitätsstandort, sondern ganzheitlicher Lebensraum sein mit allem, was dazugehört. Hier tatsächlich alle Parteien an einen Tisch zu bekommen und dieses Konzept durchzudrücken, wird wohl das größte Problem werden.

Advertisements

Responses

  1. Genau, es darf nicht nur bei der UB bleiben.
    Und man kann bei aller Bauerei gleich auf die Barrierefrreiheit achten. Denn dann nutzt es Chemnitz‘ Zukunft in jedem Fall.

  2. ich höre immer wieder dass auch viele studenten auf dem kaßberg wohnen. ist mir unverständlich.

  3. Er heißt Albert Speer jr.

    • Das ist richtig. Da aber im Zusammenhang mit dem Projekt und selbst auf seiner offiziellen Büro-Homepage auf den Zusatz verzichtet wird, habe ich mir erlaubt, dies ebenfalls zu tun.

      • Mir ist so eine Bemerkung unverständlich. Vielleicht weil diese Studenten Lust auf gutes, urbanes Wohnen haben? Vielleicht weil auf dem Kaßberg fast alles stimmt: Flair, Qualität, Lage, Mischung, Anbindung, Wohnungen… Wie gesagt, völlig unverständlich so ein Kommentar.

  4. […] Jr. darauf ab, das ganze Quartier zu einem zentralen Innenstadtcampus umzugestalten. Und wie ich hier auch schon geschrieben habe, ist das auch ein richtig vernünftiger Gedanke. Die Krux: der funktioniert nur im Gesamtpaket. Nur […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: