Verfasst von: Toni | 9. November 2010

Chemnitz / Halle

Es wird mal wieder Zeit, Euch zu berichten, was wir hier eigentlich den ganzen Tag machen und wofür wir Eure Fördergelder so ausgeben. Heute waren wir zum Beispiel in Halle im Stadtteil Glaucha, der wie der Sonnenberg bis vor kurzer Zeit noch ziemlich abgefuckt war und unter massivem Leerstand und immensen Imageproblemen litt. Wir haben uns mal erzählen lassen, wie man es dort geschafft hat, den Stadtteil nicht nur zum IBA-Projekt zu machen, sondern peu á peu erst die Selbstwahrnehmung zu verbessern und es schließlich zu schaffen, dass das Viertel mittlerweile als „hipp“ gilt, saniert wird und mehr Leute zuziehen als weggehen.

Um es kurz zu machen: So wie dort wird es bei uns nicht funktionieren. Ausgeschlossen. Allein schon die Voraussetzungen! Sie: 5 Minuten ins Zentrum, Franckesche Stiftungen und Studenten im Viertel. Wir: Dresdner Platz, Brückenstraße, Bahnhof als Mauern zum Zentrum, Ottensteins Bierstube als kulturelles Highlight. Letztlich musste dort nur brachliegendes Potential angezapft werden, hier hat StadtHalten bei Null angefangen. Aber das soll die Leistung der dortigen „Standortgemeinschaft“ mit ihrem überaus charismatischen Chef Alexander Hempel gar nicht schmälern! Das sind wirklich gute Leute, die eine Leidenschaft an den Tag legen, die außergewöhnlich ist. Klar, auch wir opfern so manche Stunde, aber man hat das Gefühl, sie geben sich wirklich für ihr Viertel hin. Hempel musste dann auch eingestehen, dass er zwar ehrenamtlich aktiv ist, ansonsten aber keine weitere Tätigkeit ausübt und rund um die Uhr auch auf Kosten seiner Familie für Glaucha aktiv ist. Bei seinen sechs Mitstreitern würde es wohl auch so sein. Klar, so erklärt sich natürlich der Reichtum an Aktionen: Von Flohmärkten, über einen liebevoll eingerichteten Stadtteilgarten in einer Baulücke bis hin zu Parties, Straßenfesten, Sanierungsworkshops und einem herrlichen Umsonstladen. Von der „normalen“ Stadtteilarbeit (Presse, Eigentümer, Stadtverwaltung), die öffentlich gar nicht wahrgenommen wird, ganz zu schweigen. Bemerkenswert.

Das können wir leider nicht leisten. Ideen gibt es natürlich, wundervolle Ideen sogar, doch wer kümmert sich letztlich langfristig drum? Es ist das eine, irgendetwas anzustoßen, die kontinuierliche Pflege der Pflänzchen aber ist etwas anderes. Und das macht Glaucha so besonders: Die kriegen das anscheinend hin. Wir hier sind nur vier Hanseln, die z.T. wie ich auch noch andere, wichtigere  Aufgaben zu bewältigen haben und sich auf ein Stadtteilprojekt konzentrieren müssen – über meines berichte ich zu gegebenem Zeitpunkt -, um es gut zu machen.

Genug der Erklärungen und Ausflüchte. Ganz selbstkritisch muss man auch eingestehen, dass viele Aktionen bisher nicht so den durchschlagenden Erfolg hatten wie erhofft. Die Aktionswoche „Studentisches Wohnen auf dem Sonnenberg“ letzte Woche zum Beispiel. Da haben wir Flyer und Plakate gedruckt, im Facebook Werbung gemacht, die Freie Presse und 371 haben berichtet etc. Im Ergebnis waren knapp ein Dutzend Leute da. Auch wenn wir – ich denke – richtig gute Werbung für uns machen konnten (wir können das mit der Leidenschaft ja auch!), ist das doch eine magere Ausbeute. Natürlich ist der Sonnenberg noch nicht hipp, aber offenbar ist es uns noch nicht gelungen, uns im Bewusstsein der Leute so festzukrallen, dass man sagt „Ah, StadtHalten macht das. Ja, da geht was.“ Die, die einmal da waren, gefiel es ja auch, aber das reicht nicht. Vielleicht muss man hier einen Schritt zurück gehen. Wir sind ja nun mit den städtischen Eliten wunderbar vernetzt, die sagen beim Hören unseres Vereinsnames mittlerweile „Lasst sie machen“. In der Bevölkerung sieht das scheinbar noch anders aus. Schulterklopfer – Super, was Ihr macht – Weiter so: Herzlichen Dank, aber kommt lieber bei uns vorbei! Die Jungs und Mädels in Glaucha haben sich einfach in einem alten Haus eingerichtet, mit Stühlen ein paar Flaschen Limo, bei gutem Wetter auch gern draußen und haben mit den Leuten, die vorbeikamen, gelabert. Zwanglos sich über Probleme und Wünsche ausgetauscht und so das Projekt auch in den Köpfen der Bewohner verankert und Besucher und Mistreiter gewonnen.

Unser Lesecafé wäre so etwas, das in diese Richtung funktionieren könnte. Einen Interessenten gibt es bereits und ja, wir beteiligen uns da natürlich auch mit dran, doch muss das von Beginn an Hand & Fuß haben und dafür braucht es einfach noch Leute, die hier mitmachen, die ein bisschen organisieren oder nen Kaffee kochen können, sonst verläuft es angesichts von Zeit- und Personalmangel im Sand. Wir würden so gern so viel mehr machen: Wir haben Eigentümer, die mitziehen; eine Stadtverwaltung, die mittlerweile für und nicht mehr gegen das Viertel arbeitet, aber nicht genug Leute, die das alles in die Hand nehmen. Anyone? Wir beißen nicht und nirgendwo in der Stadt kann man so viel machen wir hier!

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