Verfasst von: Toni | 14. September 2011

Kaffeesatz

Lange habe ich mich gedrückt, jetzt wird’s aber mal Zeit, über mein neuestes und liebstes Baby zu schreiben: das Lesecafé.

Kaffeesatz.

Die Idee ist natürlich erstmal völlig bekloppt. 17 Leute, ohne Erfahrung, ohne Kohle und mit mäßigem handwerklichen Talent gründen einen Verein und machen eine Kneipe auf. Dazu in der Zietenstraße. Laut, dreckig, menschenleer. Jeder, der es bisher hier versucht hat, ist damit grandios gescheitert. Völlig bekloppt.

Und doch bin ich voller Hoffnung, dass das trotzdem was wird.

Da ist zuerst unsere großartige Gruppe, die so wunderbar zusammengewürfelt und verschieden ist, so viele Talente (außer dem Handwerken) besitzt und so fest an das Projekt glaubt. Bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen sind alle, die beim ersten Treffen im Winter dabei waren, bis heute dabei geblieben. Wir allein können den Laden schon füllen (was aber natürlich nicht Sinn und Zweck des Unterfangens ist). Letztes Wochenende hatten wir anlässlich des „Straßentheaterfests Sonnenberg“ das erste Mal richtig auf und keiner von uns hat seine Tätigkeit an dem Tag als Arbeit empfunden. Dafür hat es zu viel Spaß gemacht, den Raum einmal lebendig zu sehen.

     

(alle Fotos von Sebastian Nikolitsch)

Dann ist da der Raum, der unheimlich viel Potential hat. Er ist zwar gerade noch in einem miserablen Zustand, aber am Samstag hat man einen Eindruck bekommen, was er mal sein kann, wenn die ganzen Bücherregale stehen, ein ordentlicher Holzboden verlegt ist und die neue Theke steht. Das wird eine richtig gemütliche Wohnzimmerkneipe, und gerade so groß, dass 30 Leute reinpassen. Selbst in kleineren Gruppen wird man sich darin nicht verloren vorkommen. Ein dickes Pfand in dieser Gegend! Die Probesitzer können bestätigen, dass unsere Holzmöbel und Polster jedenfalls schon richtig bequem sind und ein uriges Gefühl schaffen.

Da wäre noch unser Konzept, das es so in Chemnitz noch nicht gibt. Details werde ich an dieser Stelle natürlich nicht ausplaudern, aber viele unserer Mitglieder wollen sich in den Räumlichkeiten kulturell engagieren und für die Stadt neue Angebote schaffen. Ich zum Beispiel plane das Projekt „Zeitzeugen“, in dem ich Chemnitzerinnen und Chemnitzer einlade, ihre Eindrücke und Erfahrungen zu großen wie kleinen Ereignissen der Chemnitzer Geschichte zu erzählen, um so einen ganz neuen Eindruck zu vermeintlich schon abgegrasten Themen zu bekommen und natürlich eine ganze Menge Neues zu lernen. Dazu gibt’s viel rund ums Buch, ein bisschen Musik, Theater, Spieleabende ganz neu gedacht und Kreatives aller Art (wer sich hier vielleicht gerade angesprochen fühlt und mitmachen will: gerne!).

Und schlußendlich finden die Idee wohl noch andere Leute toll, denn viele unterstützen uns selbstlos. Der Stadtteilrat gibt uns für den Ausbau ein paar EFRE-Mittel, Bekannte spenden Bücher, Möbel und Kunstwerke, Gutachter arbeiten günstiger, der Vermieter kommt uns bei der Miete stark entgegen und gibt hier und da auch noch ein paar Mittel. Wir müssen dem jetzt bloß gerecht werden!

Selbstredend ist nicht alles Gold, was glänzt. Beziehungsweise glänzt noch nicht viel im Lokal. Es geht viel schleppender voran, als ich mir das gedacht habe und was auch manchmal nervt (ich bin halt ungeduldig). Aber es ist ja so: Hat man Geld, kann man sich Zeit kaufen, hat man kein Geld, muss man sich Zeit nehmen. Wir sind vom Wohlwollen von Unterstützern abhängig und können nur bedingt Forderungen stellen. Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als auf freie Termine zu warten und wenn es dann nicht klappt, genügend Vereinsmitglieder zu organisieren, die auch Zeit haben, dann zieht sich das eben. Aber es ist nicht so, dass uns das entmutigt, denn immerhin bekommen wir gute Arbeit für wenig Geld.

Eröffnungstermin sollte mal am 21. Oktober sein, aber das wird von Tag zu Tag unrealistischer. Diese Woche kommt noch die Decke rein, nächste Woche schließt hoffentlich (!) der Elektriker seine Arbeit ab. Noch ungeklärt ist die Bodenfrage. Das Material für Bücherregal, Bar und Bühne liegt zumindest schon bereit. Es ist also noch eine ganze Menge zu tun!

Wenn es gefällt, was ich hier so geschrieben habe, dann kommt doch einfach mal vorbei. Entweder als Gast ab 21. Oktober (…) oder als Unterstützer. Wir treffen uns immer dienstags 19 Uhr im zukünftigen Café in der Zietenstraße 40.

http://www.facebook.com/KaffeesatzChemnitz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: